Beschreibung
Die Geschichte der ungarisch-katholischen St.-Imre-Kirche in Fairfield ist eng mit der inneren Umgestaltung des ungarischen Katholizismus in Connecticut in der Zwischenkriegszeit verbunden. Ausgangspunkt war die St.-Stephan-Gemeinde in Bridgeport, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts das wichtigste geistliche Zentrum für die ungarischen Katholiken der Region darstellte. Nach dem Ersten Weltkrieg jedoch, insbesondere ab Ende der 1920er Jahre und während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre, zogen immer mehr ungarische Familien aus dem West End von Bridgeport in den Vorort Fairfield. Diese demografische Veränderung schuf eine neue pastorale Situation: Die in Fairfield ansässigen Gläubigen blieben weiterhin der Pfarrei St. Stephan in Bridgeport verbunden, ihre seelsorgerische Betreuung wurde in erster Linie von Pfarrer István Csernitzky gewährleistet, doch bald wurde klar, dass das neue Wohnzentrum eine eigenständige ungarische Kirchengemeinde benötigte.
Die Gründung der eigenständigen Pfarrei erfolgte 1932. Nach der bischöflichen Genehmigung entstand in Fairfield für etwa hundert ungarische Familien eine neue Kirchengemeinde, die dem Schutz des Heiligen Imre anvertraut wurde. Die Wahl des Schutzpatrons ist besonders aussagekräftig: Im ungarischen historischen und religiösen Bewusstsein ist der Heilige Imre ein Symbol für Reinheit, Jugend und die christliche Zukunft, sodass er für die Gründer der Pfarrei zugleich nationale und religiöse Identität verkörperte. Das erste liturgische Zentrum der Gemeinde war eine provisorische Kapelle in der Hibiscus-Straße; hier versammelten sich am Neujahrstag bereits mehr als fünfhundert Gläubige, was deutlich macht, dass die Gemeinde schon von Anfang an über eine weitaus breitere Basis verfügte, als es die Zahl der offiziellen Gründer allein vermuten ließ.
Der Bischof vertraute die Pfarrei der Obhut der Transsilvanischen Franziskaner an und ernannte Benedek Bíró OFM zu ihrem ersten Pfarrer, der die Gemeinde zwanzig Jahre lang, von 1932 bis 1952, leitete. Seine Amtszeit kann als Gründungsphase der Pfarrei St. Imre in Fairfield angesehen werden. Am Ostersonntag 1932 fand die Segnung und Grundsteinlegung der Kirche statt, und am 5. November desselben Jahres, dem Festtag des Heiligen Imre, wurden die Kirche und der Altar geweiht. Der rasche Bau zeigt, dass die Gemeinde nicht nur liturgische Bedürfnisse hatte, sondern bewusst ein institutionelles Zentrum der ungarischen Katholiken schaffen wollte. Parallel dazu organisierte Benedek Bíró auch ein Netzwerk kirchlicher und gesellschaftlicher Vereinigungen: Es entstanden die Altargesellschaft, die Gesellschaft des Heiligen Namens, die Rosenkranzgesellschaft, der Frauenverein, die Männergemeinschaft, die Marienkongregation, die Pfadfinder und später auch andere Jugendorganisationen. Diese Vereinigungen waren die klassischen institutionellen Formen der ethnischen Pfarreien jener Zeit: Sie dienten zugleich der Religionsausübung, dem gemeinschaftlichen Zusammenhalt und der Bewahrung der ungarischen kulturellen Identität.
Eine Besonderheit der frühen Entwicklung der Pfarrei war, dass sie von Anfang an nicht ausschließlich als geschlossene ungarische Gemeinschaft fungierte. Obwohl es sich eindeutig um eine Pfarrei mit ungarischen Wurzeln und ungarischer Sprache handelte, wuchs ihr Einzugsgebiet allmählich über die ursprünglichen ethnischen Grenzen hinaus. Dies wurde in der späteren Selbstdefinition mit dem Ausdruck „United Nations parish“, also „Pfarrgemeinde der Vereinten Nationen“, erfasst: Neben der Bewahrung des ungarischen Erbes öffnete sie sich auch anderen Ethnien gegenüber. Dies bedeutete nicht die Aufgabe des ungarischen Charakters, sondern vielmehr dessen Einbettung in die katholische Universalität.
Die Bildung war von Anfang an ein zentraler Bestandteil des Gemeindelebens. Die Schule und der Religionsunterricht wurden von den Töchtern der Göttlichen Liebe geleitet. Die Schwestern waren zunächst in der Schule der St.-Stephans-Gemeinde in Bridgeport tätig und spielten später auch in Fairfield eine entscheidende Rolle. Für sie wurde 1952 ein Kloster gebaut, später entstand auch ein moderneres Ordenshaus. Die Schule arbeitete anfangs mit geringer Schülerzahl, doch bis Mitte der 1950er Jahre stieg die Zahl der Kinder so stark an, dass eine Erweiterung notwendig wurde. In diesem Sinne wurde 1955 der Grundstein für den neuen Schultrakt gelegt, und das Gebäude wurde 1956 gesegnet und geweiht. Die Pfarrschule war zwischen 1956 und 1987 einunddreißig Jahre lang als vollwertige Einrichtung tätig und spielte eine Rolle bei der religiösen und schulischen Erziehung von fast zwei Generationen. Aus Sicht der Geschichte der ungarischen Diaspora ist dies besonders wichtig: Die Pfarrschule war nicht nur ein Ort der Glaubensvermittlung, sondern auch eine der grundlegenden Einrichtungen für die Weitergabe der Sprache, der Festbräuche und der Gemeinschaftstreue.
Nach dem Tod oder Rückzug von Benedek Bíró sicherten die Franziskaner weiterhin den Fortbestand der Pfarrei. Sein Nachfolger wurde Ipoly Deésy OFM, der die Gemeinde bis 1961 leitete. Mit seinem Namen ist die Gründung des Frauenkreises und die Erweiterung der Schule verbunden. In dieser Zeit verzeichnete die Pfarrei ein bedeutendes Wachstum: Etwa sechshundert Familien gehörten ihr an, und aus der Gemeinschaft gingen mehrere Priester- und Ordensberufe hervor. Daraus lässt sich schließen, dass die Pfarrei St. Imre in den 1950er Jahren ihren gesellschaftlichen und institutionellen Höhepunkt erreichte. Die Pfarrei war nun nicht mehr nur die geistige Heimat der aus Bridgeport stammenden Ungarn, sondern ein eigenständiges, stabiles und auch territorial bedeutendes Zentrum der ungarischen Katholiken.
Nach Ipoly Deésy folgte Dénes Szőcs OFM, der bis 1976 an der Spitze der Pfarrei stand. Ein bemerkenswerter Aspekt seiner Tätigkeit war, dass er 1971, als der Pfarrer der Pfarrei St. Stephan in Bridgeport, Zoltán Seregély, verstarb, gleichzeitig dessen Verwaltungsaufgaben übernahm. Dieses Ereignis geht über die persönliche Ebene hinaus: Es verdeutlicht die erneute Verbindung der Geschichte der beiden ungarischen Pfarreien. Fairfield war einst die „Tochterpfarrei“ der Pfarrei in Bridgeport, doch nach 1971 geriet die historische Mutterpfarrei in eine Krisensituation, und teilweise wurde Fairfield zum stärkeren Träger der ungarisch-katholischen Kontinuität. Im selben Jahr wurde in der St.-Stephans-Kirche in Bridgeport die letzte Messe gefeiert, und die Vereinigung der beiden ungarischen Gemeinden trat in eine neue Phase ein. Die spätere Pfarrei formulierte dies symbolisch so, dass der heilige Stephanus seinem „Sohn“, dem heiligen Imre, „Leben schenkte“ und ihm dann im hohen Alter sein „Sohn“ geistliches Fortleben gewährte.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bewahrte die Pfarrei in Fairfield ihre ungarischen Wurzeln und reagierte zugleich auf die allgemeinen strukturellen Veränderungen im amerikanischen Katholizismus. Róbert Németh OFM stand zwischen 1977 und 1998 an der Spitze der Gemeinde, was eine neue Ära der Stabilität einläutete. Auch zu dieser Zeit spielte die Seelsorge in ungarischer Sprache eine wichtige Rolle; zwischen 1986 und 2005 übernahm Emery Szlezák OFM diese Aufgabe. Der Besuch von Kardinal László Paskai im Jahr 1989 stärkte die Verbindungen der Pfarrei zum Mutterland. Das liturgische Leben der Kirche wurde zweisprachig: Neben der englischen Messe blieb die ungarische Messe bestehen, was die Veränderung der inneren Struktur der Diaspora widerspiegelte. Die Gemeinde bestand nun nicht mehr ausschließlich aus ungarischsprachigen Gläubigen der ersten oder zweiten Generation, sondern auch aus Menschen aus Mischehen, teilweise anglisierten Nachkommen und Katholiken anderer ethnischer Herkunft.
Die Schließung der Schule im Jahr 1987 war ein wichtiger Wendepunkt. Hinter dieser Entscheidung standen der Rückgang der Familienzahlen, der soziale und demografische Wandel in der Umgebung sowie die allgemeinen Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung katholischer Schulen. Die Töchter der Göttlichen Liebe blieben dennoch bis 1995 in der Pfarrei und führten den Religionsunterricht weiter. Ihr Weggang markierte das Ende einer weiteren Ära: Das klassische ungarische katholische Modell, das auf Ordensschwestern und der Pfarrschule basierte, war damit abgeschlossen. Das Schulgebäude wurde jedoch nicht unbrauchbar; später erhielt es andere Bildungs- und Gemeinschaftsfunktionen, was die Anpassungsfähigkeit der Pfarrei gut verdeutlicht.
Auch die Präsenz der Franziskaner selbst durchlief einen Wandel. Ende 1992 löste die römische Ordensleitung die nach König Stephan benannte franziskanische kirchliche Organisation auf, die bis dahin einen institutionellen Rahmen für den Diaspora-Dienst der aus Ost- und Mitteleuropa stammenden ungarischen Franziskaner gebildet hatte. Hintergrund waren der Rückgang der Berufungen, die neue europäische Lage nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme und die weltweite Umstrukturierung des Ordens. Ab 1993 oblag die Seelsorge der Pfarrei den Ordensbrüdern der New Yorker Franziskanerprovinz, und 2011 wurde die St.-Imre-Pfarrei zu einer Diözesanpfarrei. Diese Veränderung ist von historischer Bedeutung: Sie beendete den mehr als sechzigjährigen direkten Dienst der ungarischen Franziskaner aus Siebenbürgen in Fairfield, unterbrach jedoch nicht das Leben der Pfarrei, sondern stellte es vielmehr in einen neuen institutionellen Rahmen.
Die Restaurierung um das Jahr 2000 war einer der bedeutendsten architektonischen Eingriffe der Neuzeit in der Geschichte der Kirche. Das Millennium und die Notwendigkeit, jüngere Familien anzusprechen, gaben den Anstoß zur vollständigen Erneuerung des Innenraums. Der Altarraum wurde an die liturgischen Grundsätze des Zweiten Vatikanischen Konzils angepasst: Ein neuer Altar, eine Kanzel und ein Kreuzbrunnen wurden eingebaut, während der alte Hauptaltar als Zentrum der eucharistischen Verehrung erhalten blieb. Es wurden neue Beleuchtungs-, Heizungs- und Klimaanlagen eingebaut. Am 7. Mai 2000 segnete Bischof Edward Michael Egan die restaurierte Kirche und weihte den neuen Altar. Im Zuge der Restaurierungsarbeiten wurde die Kirche nach ihrer lokalen Bezeichnung zur „Kathedrale von Fairfield“, was zwar keine kanonisch-rechtliche, sondern eine gemeinschaftliche Bezeichnung ist, aber dennoch das Ansehen und den repräsentativen Charakter des Gebäudes gut zum Ausdruck bringt.
Auch die Symbolik im Inneren der Kirche zeugt von einer bewussten Bewahrung des Erbes. Die drei Andachtsorte – die Altargruppen, die der Heiligen Familie, den Franziskanerheiligen und den ungarischen Heiligen gewidmet sind – verkörpern zugleich die katholische, franziskanische und ungarische Identität der Pfarrei. Besonders wichtig ist, dass die ungarischen Heiligen – der heilige Stephan, die Muttergottes der Ungarn und der heilige Imre – eine besondere „heilige Erinnerung“ der Diaspora bilden, in der die nationale Vergangenheit in liturgischer und visueller Form weiterlebt.
Das Fortbestehen des Gemeindelebens wurde nicht nur durch die Institutionen, sondern auch durch die kontinuierliche Pflege der Traditionen gesichert. Die ungarischsprachige Messe, die Segnung der Ostergerichte, die Auferstehungsprozession, die Wallfahrtsfeste, die mit ungarischen Backwaren und traditionellen Speisen verbundenen Gemeinschaftsveranstaltungen zeigen allesamt, dass die St.-Imre-Kirche in Fairfield sowohl am Ende des 20. Jahrhunderts als auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein lebendiger Träger der ungarisch-katholischen Kultur in der Diaspora blieb. Gleichzeitig hat sich das Selbstverständnis der Pfarrei allmählich von einem ausschließlich ethnischen Charakter hin zu einer breiteren, territorialen und mehrsprachigen katholischen Gemeinschaft verschoben. Aufgrund der sich wandelnden Demografie, der hohen Lebenshaltungskosten, der Mischehen und der Mobilität jüngerer Generationen hat sich die Zusammensetzung der Pfarrei verändert, ist aber nicht verschwunden.
Vor diesem Hintergrund kann die Geschichte der St.-Imre-Kirche in Fairfield als eines der repräsentativsten Beispiele des ungarisch-amerikanischen Katholizismus angesehen werden. Ihre Entstehung war das Ergebnis der Selbstorganisation ungarischer Einwanderer; ihre Entwicklung folgte dem klassischen Diaspora-Modell der franziskanischen Seelsorge, der Pfarrschule und des Vereinslebens; und ihre spätere Geschichte zeigt deutlich, wie eine ethnische Pfarrei auch inmitten gesellschaftlicher, demografischer und kirchlich-organisatorischer Veränderungen Kontinuität gewährleisten konnte. Die St.-Imre-Kirche ist daher nicht nur ein Denkmal der lokalen Kirchengeschichte, sondern auch ein wichtiger institutioneller Ausdruck der Identität der ungarischen Diaspora.
Am 2. Januar 2020 schlossen sich die Pfarrei St. Imre und die Pfarrei der Heiligen Familie zusammen und gründeten eine einzige Pfarrei: die Pfarrei der Heiligen Familie und St. Imre.