Vilmos Ruzsik CM, Lazaristenmönch, römisch-katholischer Priester, Missionar, Doktor der Theologie und einer der prägenden Seelsorger der ungarischen katholischen Emigranten in Westeuropa. Einen Großteil seines Lebens verbrachte er in Kolumbien und Frankreich, wo er als Lehrer, Rektor eines Priesterseminars und Seelsorger der ungarischen Emigranten tätig war. Im internationalen ungarischen kirchlichen Leben wurde er insbesondere als enger Mitarbeiter von Kardinal József Mindszenty bekannt: Er begleitete den Kardinal 1975 auf dessen Pastoralreise nach Venezuela und Kolumbien, deren Verlauf er später in seinen Memoiren festhielt.
Er wurde in Márianosztra in einer Bauernfamilie geboren. Seine Gymnasialausbildung absolvierte er am Zisterziensergymnasium in Budapest, anschließend trat er in die Lazaristen-Missionskongregation ein. Nach Abschluss seines Theologiestudiums wurde er am 12. Juli 1936 zum Priester geweiht. Als junger Priester kam er nach Piliscsaba, wo er als Religionslehrer, Kaplan und später als Pfarrer tätig war und sich zudem an Volksmissionen beteiligte. Fast ein Jahrzehnt lang diente er den Gläubigen der Gemeinde, bis zur kirchlichen Neuordnung nach dem Zweiten Weltkrieg.
1946 wurde er nach Budapest in das Lazaristenkloster an der Ménesi út versetzt. Dort übte er seinen Ordensdienst aus und bereitete sich auf seine Missionsaufgaben im Ausland vor. Infolge der kommunistischen Machtübernahme verließ er 1948 Ungarn und ging nach Kolumbien, wo er fast zwanzig Jahre lang eine prägende Persönlichkeit in der örtlichen Priesterausbildung war.
In Kolumbien unterrichtete er zunächst Philosophie am Lazaristen-Seminar in Bogotá. Anschließend lehrte er an den Diözesanseminaren von Garzón, Santa Marta und Zipaquirá und übernahm dort auch leitende Aufgaben. Als Lehrer, Spiritual und später als Rektor war er an der Ausbildung zahlreicher kolumbianischer Priester beteiligt. 1964 erwarb er in Rom den Doktorgrad in Theologie; anschließend wurde er zum Professor am Priesterseminar in Ibagué ernannt, wo er Dogmatik und Fundamentaltheologie lehrte.
1968 wurde er nach Frankreich versetzt. Von da an wirkte er als Seelsorger der ungarischen katholischen Mission in Paris, blieb dabei aber weiterhin Mitglied des Lazaristenordens. Er wurde zu einem der bekanntesten Priester der ungarischen Emigration in Frankreich: Er besuchte regelmäßig die ungarischen Gemeinden auf dem Land, leitete Exerzitien, hielt Vorträge und spielte eine aktive Rolle im Leben der ungarischen katholischen Organisationen in Westeuropa. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre übernahm er auch landesweite ungarische Seelsorgeaufgaben und war zwischen 1991 und 1997 erneut offiziell leitender Seelsorger der ungarischen katholischen Mission in Paris.
Kardinal József Mindszenty nimmt in seinem Leben einen besonderen Platz ein. Als einer der engsten Mitarbeiter des im Exil lebenden Primas war er an der Vorbereitung mehrerer Seelsorgerreisen beteiligt und begleitete den Kardinal 1975 auf seiner Reise nach Venezuela und Kolumbien. Er war nicht nur Begleiter, sondern auch Organisator und sprachlicher Helfer dieser Reise, deren Ereignisse er später in einer ausführlichen Erinnerung verarbeitete. Sein Artikel mit dem Titel „Die letzte Pastoralreise von Kardinal Mindszenty“ erschien in der Zeitschrift „Távlatok“ und ist eine der wichtigsten Quellen aus erster Hand über die letzte apostolische Auslandsreise des Kardinals.
Sein Wirken im ungarischen katholischen öffentlichen Leben in Frankreich wurde mit mehreren Auszeichnungen gewürdigt. 1993 erhielt er das Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn, und 1997 zeichnete ihn Papst Johannes Paul II. mit dem Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ aus. Zudem wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Bewegung „Große Frau der Ungarn“ gewählt.
1997 trat er in den Ruhestand, blieb aber weiterhin mit den ungarischen katholischen Gemeinschaften in Frankreich in Verbindung. Er verstarb am 18. Februar 2002 in Paris. Die Todesursache waren Komplikationen infolge einer Hirnembolie.
Dienstorte im Heimatland
Von
Bis
Ort i
Aktueller Name, Land i
Kirche / Institution
Funktion
1936
1946
Piliscsaba, Ungarn
Religionslehrer, Hilfspfarrer, später Pfarrer
1946
1948
Budapest, Ungarn
Ménesi úti rendház
Ordnungsdienst
Dienstorte im Ausland
Von
Bis
Ort
Aktueller Name, Land
Kirche / Institution
Funktion
1948
1950
Bogota, Kolumbia
Philosophielehrer
1950
1956
Garzón, Kolumbia
Lehrer, spiritueller Begleiter
1960
1963
Zipaquirá, Kolumbia
Rektor, Professor für Theologie
1964
1968
Ibagué, Kolumbia
Professor für Dogmatik
1968
1985
Párizs, Frankreich
Párizsi Magyar Misszió
ungarischer Pfarrer
1985
1991
Párizs, Frankreich
ungarischer Landespfarrer
1991
1997
Lelle, Frankreich
ungarischer Pfarrer
1997
2002
Párizs, Frankreich
im Ruhestand
Literarische Tätigkeit
Távlatok 2001:6. Mindszenty bíboros utolsó lelkipásztori útja